Drama ohne Ende?

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Ja, es gibt sie: Gebrauchte Tage auch am Sonntag. An denen irgendwie nicht viel zusammenläuft. Das erste Team, das diese leidliche Erfahrung machen sollte heute, waren die Ferns aus Neuseeland. Zum Einzug ins Achtelfinale, das wurde sehr schnell klar, hing für die Gastgeberinnen alles an einem Tor. Ein einziger Ball musste im schweizerischen Gehäuse untergebracht werden. Aber es gab kein Durchkommen, 90 Minuten nicht. Und so mauerte sich die Schweiz sogar zum Gruppensieg, während im Parallelspiel Norwegen gegen die Philippinen plötzlich auferstanden aus Ruinen relativ schnell relativ deutlich führte (3:0 schon zur Halbzeit). Die ersten beiden Spiele – ein einziges Missverständnis aus Norwegerinnen-Sicht. Gerade noch mal rechtzeitig die Kurve gekriegt und Neuseeland muss nach Hause fahren bzw. da bleiben, ohne dabei zu sein. Das ist natürlich extrem bitter, aber: Man hat in den letzten Tagen auch das erste WM-Spiel überhaupt gewonnen und immerhin vier Punkte geholt. Der Weg ist der richtige.

Tja und Deutschland? Ließ einen zur besten Mittagszeit perplex auf die Bildschirme starren. Ja, gegen Kolumbien wird’s schwerer als im ersten Spiel. Ja, womöglich gibt’s mehr auf die Socken. Ja und auf die Nerven auch. Ja, ja, ja. Und plötzlich lag man kurz nach der Pause zurück. Durch ein Traumtor des 18-jährigen Wunderkindes Linda Caicedo. Gut, ist ja noch Zeit, kein Grund zur Panik. Und dann gab’s kurz vor Ende Elfmeter, Poppi, zack drin. Na dann halt nur einen Punkt. Dachte man. Und dann kam Minute 97 und Kolumbien ging noch mal in Führung. Der Nackenschlag in der Nachspielzeit. Aber: Man kann das Achtelfinale immernoch aus eigener Kraft erreichen. Was ist also groß passiert, außer dass man dieses nun am letzten Vorrundenspieltag eintüten muss und nicht schon am zweiten? Nicht beirren lassen, Deutschland. Bei einer WM geht’s ja nicht um aufgeregten Schluckauf am Anfang, sondern den langen Atem am Ende.

Das tatsächlich größte Fußball-Drama des Tages spielte sich aber ganz woanders ab. In Leuven, Belgien. Dort fand nämlich das EM-Finale der U19-Juniorinnen statt. Und Deutschland war dabei, gegen Spanien. Spannend, aber ereignisarm stand es erst nach 45, dann nach 90 und später auch nach 120 Minuten torlos 0:0. Elfmeterschießen. Ohgottohgottohgott. Und natürlich nahm das Drama seinen Lauf. Deutschland verschoss dreimal, Spanien nur zweimal. Aber Kopf hoch, auch als Vizeuropameisterinnen kann man absolut stolz sein. Und viel bewirken. Denn zu was für einer Euphorie das führen kann, zeigen ja aktuell die DFB-Frauen. Gebrauchte Sonntage hin oder her. Wenn nicht alles Gold ist, was glänzt, ist im Umkehrschluss auch nicht alles Pappe, was etwas zerfleddert da liegt. Weiter geht’s.