
So. Nach dem gestrigen Vorrunden-Schiffbruch für Deutschland mag der Schock noch tief sitzen. Aber das Leben geht weiter und so auch diese WM. Und in der heißt es ab morgen: Willkommen im Achtelfinale. Swim or sink ist jetzt die Devise für alle diejenigen, die nach einer denkwürdigen Vorrunde noch mit an Bord sind. Mit rüber geschafft haben es auch ein paar vermeintlich kleine Fische: Jamaika, Marokko und Südafrika zum Beispiel. Denen hatten viele vor WM-Beginn eigentlich nicht mal das Seepferdchen zugetraut. Stattdessen gingen erfahrenen Freischwimmerinnen aus Kanada, Brasilien und, ja, auch Deutschland schon sehr frühzeitig die Puste aus.
Und ja, es ist absolut begrüßenswert und im Sinne der Entwicklung des Fußballs, wenn zum Beispiel Nigeria oder Kolumbien die Schwimmflügel-Etappe direkt überspringen und ohne Umschweife direkt mit Anlauf ins Schwimmerbecken springen. Und dadurch die gemächlichen Ommas (in diesem Fall: Brasilien und ja, leider auch Deutschland) am Beckenrand empören. Spritzt doch nicht so! Am Ende wurden sie ziemlich nassgemacht. Denn Schwimmen geht man bei einer WM ja nicht, um gemütlich am Beckenrand zu plauschen (das machen nur echte Ommas in echten Schwimmbädern).
Immerhin mit nur ein bisschen Wasser in der Nase und dem Schrecken davon kamen vorerst Favoritinnen wie Norwegen, die erst im letzten Spiel wieder in die Bahn fanden. Spät, aber nicht zu spät. Und auch die USA haben noch gerade so wieder Boden unter die Füße bekommen. Denn um ein Haar wäre man in der Nachspielzeit des letzten Gruppenspiels gegen Portugal untergegangen, doch Pfosten sei Dank. „Team USA survives“ hieß es im CBS-Frühstücksfernsehen nur, stimmungsmäßig also auch dort Land unter.
Sei es drum. Jetzt, wo alles Drama sich wirklich in 90 Minuten plus Nachspielzeit plus richtiger Nachspielzeit plus gegebenenfalls Elfmeterschießen konzentriert: Hoffen wir auf Arschbomben mit Anlauf, Kunstsprünge vom 10er und jeder Menge Spaß für die ganze Familie. Bitte unbedingt vom Beckenrand springen. Dann scheint hier vielleicht auch bald mal wieder die Sonne. In echt und auch metaphorisch auf die aus deutscher Sicht ziemlich ins Wasser gefallene Fußballseele.
