
Nach all der Flutlicht-Stimmung ging’s heute vor allem um die Kehrseite der Medaille: Schatten. Denn der fällt ja da, wo Licht ist. Und das strahlt eigentlich immer nur auf die Siegerinnen. Während die einen also himmelhochjauchzend ihre Freude rausschreien, wird keinen Meter nebenan enttäuscht zu Boden gesackt und bitterlich geweint. Ja, das ist Fußball. Emotionen im Schleudergang. (Eine kurze Liebeserklärung an den Fußball noch mal nachzulesen in der Mitte hier).
Jedenfalls: In der K.O.-Runde spitzte sich die Lage nun zu, dies ist nicht mehr die Zeit für Zartbesaitete, Nervenbündel und Nah-am-Wasser-Gebaute. Zu nichts davon würde ich mich unter normalen Umständen zählen. Aber was ist schon normal vor einem Viertelfinale. Die Nerven lagen also blank. Und so wurden hektisch Züge umgebucht (Nein, Freitagmorgen kann ich leider nicht mehr zur Anreise nutzen), konfuse Nachrichten verschickt (Was? Wo? Wann? Ich? Ach so.) und Portemonnaies vergessen.
Die erste Tragödie des Tages spielte sich dann morgens um 3 Uhr mitteleuropäischer Zeit ab: Erstes Viertelfinale zwischen Spanien und den Niederlanden. Zum dritten Mal hatte Team Oranje diesen aus europäischer Sicht undankbarsten Sendeplatz inne. Der, an dem offensichtlich eigentlich die US Girls bright shinen sollten. US-Prime-Time ist nämlich Tiefschlaf-Time nicht nur bei unserer werten Nachbarschaft. Und dann mussten wackere Niederlande-Nachteulen mitansehen, wie ihr Team erst weitestgehend unglamourös durch die reguläre Spielzeit stolperte, sich dann immerhin mit einem satten Schuss in die Verlängerung rettete und dort durch ein spätes Gegentor humorlos ins Turnierjenseits befördert wurde. Das war so gegen 5:30 Uhr, ganz bitter. Die Spanierinnen vergossen Tränen der Fassungslosigkeit und so taten es auch die Niederländerinnen. Wenngleich aus einem anderen, nämlich entgegengesetzten Grund.
Weiter gings mit Drama Nummer 2 um 9:30 Uhr: Kaum wurde Japan von der breiten Öffentlichkeit zum Titelkandidaten Nr. 1 erhoben, ging nichts mehr. Alles, womit man schnurstracks bis ins Viertelfinale gefräst war – Tempo, Variabilität, Kreativität, Biss – wie weggeblasen gegen starke und optimal eingestellte Schwedinnen. Und schon lag man 2:0 zurück. Dann Mitte der zweiten Halbzeit fast auferstanden aus Ruinen: Elfmeter an die Latte, Freistoß an ebendiese, dann kurzer Hoffnungsschimmer: Anschlusstreffer in der 87. Minute. Schnell! 10 Minuten Nachspielzeit. Doch zu spät. Und am Ende weinte Japan und Schweden tanzte. Weil: The winner takes it all. The loser has to fall.
