
Kinder, was ist eigentlich los hier? Alles muss man selber machen. Oder wieso landet der Ball so oft im eigenen Tor? Nein, niemand hat die Absicht, ein Eigentor zu fabrizieren und trotzdem landete der Ball schon sechs Mal im eigenen Kasten. Der Topscorer Eigentor führt somit schon jetzt schier uneinholbar die Torschützenliste dieser EM an.
Die Parade der Unglückseligkeiten wird dabei angeführt vom formschönsten Eigentor (einem waschechten Kacktor) durch die Türkei gegen Portugal. Ein eigentlich sauber abgelaufener Ball, dann ein völlig unbedrängter No-Look-Pass auf den Torwart, aber huch! Der steht ja ganz woanders. Und schon kullert der Ball ins eigene Netz, zum Entsetzen der hinterherrutschenden Spieler.
Merke: Verunglückte Rückpässe sind die Königsdisziplin der Eigentore. Die, bei denen unter höchster Bedrängnis vom Gegenspieler der Ball irgendwie ins eigene Netz prallt – geschenkt. Die maximale Tragödie entwickelt sich erst, wenn man sich schlicht und ergreifend zur falschen Zeit am falschen Ort befindet. Man ahnt nichts Böses, ehe einem der Ball irgendwie irgendwo trifft. Scharfgemacht nimmt er jetzt erst so richtig Fahrt auf und segelt unberechenbar in den eigenen Kasten. Weiß Toni Rüdiger, weiß Maximilian Wöber (Österreich-Frankreich, Endstand 0:1), weiß Riccardo Calafiori (Spanien-Italien, Endstand 1:0). Besonders bitter wird es, wie bei letzteren beiden, wenn das Eigentor maßgeblich zur Niederlage beiträgt.
Doch: Eigentore sind keine Schmach. Sondern können auch ganz neue Kräfte freisetzen, vor allem beim Torschützen selbst. So wie beim Darmstädter Albaner Klaus Gjasula. Erst beförderte er den Ball äußerst unglücklich per Pingpong mit dem eigenen Mitspieler ins eigene Tor, bevor er in der fünften Minute der Nachspielzeit satt abzog und den Ball zum viel umjubelten Ausgleich dieses Mal im richtigen Tor unterbrachte. (Bei welchem Spiel noch mal? Hier.)
From zero to hero innerhalb von 10 Minuten. Kann es eine schönere Heldengeschichte geben? Wohl kaum. Ja, meine Damen und Herren, das ist Fußball. Und ja, ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Ein Tor nach einem Eigentor zu schießen: Beste! Wünschen wir diese einzigartige Erfahrung doch von ganzem Herzen auch den nächsten Eigentorschützen.
