
Huh. Halbzeit! Und erstmal durchschnaufen an diesem ersten spielfreien Tag nach fast zwei Wochen Fußball nonstop. 36 Spiele sind absolviert, die Gruppenphase: erledigt. Zusammenfassend könnte man sagen: Furios gestartet und dann etwas nachgelassen. Denn der turbulente Turnierstart mit 16 Toren nach zwei Tagen kam hinten raus etwas ins Stocken.
Immerhin blieben wir von schmucklosen 0:0 lange Zeit verschont. Erst nach einer Woche sorgten Frankreich und die Niederlande in einem missverständlicherweise als „Vorrunden-Kracher“ ausgewiesenen Spiel erstmalig für diesen an Tristesse nicht zu überbietenden Endstand. Klar, es gibt Nullnulls, die sind ok (und in der Gesamtsicht muss man sagen: Das war noch ok) und es gibt solche, die sind es nicht. Gewürge und Gestochere, uninspiriertes Umherirren und kollektives Hängen im Schacht. Davon gab es am letzten Gruppenspieltag gleich drei Stück. Immer beteiligt: Eine mindestens mittelgroße Fußballnation (Grüße gehen raus an England, Belgien und Dänemark).
Der Spannungsabfall am Ende führt auch zu der Frage, wie sinnvoll das Weiterkommen von Gruppendritten ist. Statt vier von sechs Dritten durchzuschleppen: Wie wär’s, einfach noch zwei neue Gruppen aufzumachen? Und bevor ich jetzt höre „Dann leidet die Qualität des Turniers!“, dann bitte mal hier ein kurzer Realitätscheck. Es ist nämlich so: Die Qualität dieses Turniers leidet mit Sicherheit nicht wegen Albanien, Slowenien, Rumänien oder Georgien. Sie leidet erheblich unter England, Frankreich, Niederlande und Belgien. Die uns trotz Stars und Sternchen und angehenden oder vergangenen Weltfußballern mit unfassbar ideenlosem, torarmen Anti-Fußball quälen. Also: Danke Georgien, Türkei und Österreich, dass ihr aus diesem Turnier das macht, was es sein soll: ein mitreißendes Fußballfest, das die Menschen Europas und den Fußball feiert. Und so ist es auch kein Zufall, dass das beste Spiel der Vorrunde wohl das der Türkei gegen Georgien war. Aufregender Offensivfußball, Traumtore und Spannung bis zum Schluss.
Und während die gar nicht mehr so kleinen Kleinen also gut gelaunt in die K.-o.-Phase dancen, ist es jetzt auch an den gar nicht mehr so großen Großen, sich endlich aufzuraffen und mitzumachen. Auf den Tischen tanzen oder unter den Jacken auf der Bank liegenbleiben – das ist hier die Frage. Ab Samstag wird jedenfalls voll aufgedreht.
