Völlig losgelöst

Published by

on

Was haben Barsinghausen, Donaueschingen, Paderborn, Düsseldorf und Leipzig gemeinsam? Easy. Sie geben Deutschland als EM-Spielstädte genauso wie als Teilnehmer-Quartiere gerade ein Gesicht. Ein ziemlich fröhliches und schönes, wie ich finde. Denn neben der sportlichen Competition steht während dieser EM selbstverständlich auch der Standort Deutschland auf dem Spiel. Und im Gegensatz zu nun ja, infrastrukturellen Engpässen oder wetterbedingten Widrigkeiten können wir zu diesem Gesicht aktiv etwas beitragen.

Begeisterte Grundschulkinder zum Beispiel im niedersächsischen Barsinghausen, das sich nach wie vor über die türkische Nationalmannschaft freut. Während die französischen Weltstars in Bad Lippspringe und Paderborn für „Franzosen-Fieber“ sorgen. Weitere bemerkenswerte Stützpunkte sind oder waren Iserlohn (Italien), Kamen (Albanien), Blankenhain (England) und natürlich das inzwischen bis über den Atlantik bekannte Gelsenkörken.

Und mittendrin: Düsseldorf. Hier hat sich in den letzten Wochen gefühlt eine Glocke purer Freude über die Altstadt gelegt. Das mag zum einen daran liegen, dass man Host City ist, also Spielort. Außerdem ist man geografisch hervorragend gelegen im spielorts- und quartierbestimmenden NRW. Und verfügt, das ist der Hammer, bekanntlich über die längste Theke der Welt. Was bitte braucht man mehr, um Fans aus allen Himmelsrichtungen anzusaugen? Und so erlebt man hier seit zwei Wochen einiges: Schotten mit Rock schwenken Albanien-Flaggen. Österreichische Fans machen einen riesigen roten Fanmarsch zum Stadion. Spanier mit Fahne suchen Spanier. Oldenburger CR7-Fans suchen Feuer und die große Liebe. Franzosen im Obelix-Kostüm sind auf der Suche nach Dortmund. Schotten ohne Rock suchen ihre Rucksäcke (waren leider in Köln). Albaner aus Amsterdam suchen ihre Freunde (waren leider im Stadion), Italiener ihre EM-Form (war leider irgendwie ganz woanders). Albanische Fans machen einen riesigen roten Fanmarsch zum Stadion. Babys schlummern selig im Torgebrüll und schreien herzzerreißend ins betretene Gegentor-Schweigen. Georgierinnen tanzen und singen im Regen (und Dänen sowieso). Belgische Fans machen einen riesigen roten Fanmarsch zum Stadion. Und über all dem suchen und finden Fortuna-Fans langsam wieder den Spaß am Fußball.

Und die Frage, warum in Köln unter dem Deckmantel einer großen Pilsmarke plötzlich Kölsch ausgeschenkt wird, es in Düsseldorf aber kein Alt auf offiziellen Partymeilen geben darf – mindestens mysteriös, aber schon lange nicht mehr wichtig. Weil: Tut es der guten Stimmung als NRW-Partyzentrum einen Abbruch? Nicht wirklich. Hauptsache zwischen Leber und Milz fließt der Rhein. Und ansonsten Pils oder was immer man dafür hält.