Fünf Sterne, gerne wieder

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Kinder, wie die Zeit vergeht. Vier Wochen feinster Fußball-Schmaus stand auf Europas Sommer-Menü. War es das erhoffte rauschende Fest, das wohlig warm im Magen liegt und in den Köpfen bleibt oder sogar in den Herzen? Absolut! Hat das beste Team gewonnen? Sowas von! Und fühlt sich dieser Montag doppelt scheiße an, weil jetzt alles vorbei ist? Aber hallo! Und bevor sich hier alle zum Verdauungsschläfchen verabschieden: Noch schnell ein fundierter Blick in die Karte der letzten vier Wochen.

Zunächst einmal die alte Erkenntnis, dass viele Köche den Ball, äh Brei verderben. Und deswegen durften auf dem Platz nur noch die Kapitäne mit den Schiedsrichtern diskutieren. Wie wohltuend! Überemotionale Rudelbildungen und langatmiges Lamentieren fand sich so während dieser EM fast nirgends auf dem Teller.

Zweite Erkenntnis: Besser schon vor dem Essen 1000 Schritte tun. Denn farbenfrohe, gut gelaunte Fanmärsche prägten diese Euro. Tausende Leute zusammentrommeln, ein Bad in den Nationalfarben nehmen, Stimmbänder und/oder Dudelsäcke ölen, Bengalos an und los geht’s. Fantastisch.

Drittens: Spieler sind eben doch keine Weine. Und so kann man schon sagen, dass die Alten rapide abfielen. CR7, Thomas Müller, Luka Modrić: Ja, sie waren anwesend, aber nicht prägend. Das junge Gemüse um Lamine Yamal, Nico Williams oder Jamal Musiala trumpfte hingegen explosiv auf und war keineswegs nur Beilage.

Viertens: Man muss kein Knigge-Ultra sein, aber gutes Benehmen und kleine Gesten machen eben Eindruck. Und so bleibt der nette Brief im Kopf, den die Rumänen dem Gastgeberland nach der Achtelfinalniederlage in der aufgeräumten Umkleidekabine hinterließen.

Fünftens: Wo Top- oder Geheimfavorit draufsteht, steckt nicht automatisch Genuss pur drin. Im Gegenteil. Oder war das alles nur Etikettenschwindel? Jedenfalls lieferten Favoriten wie Frankreich, England, Portugal oder Belgien vor allem Schwerverdauliches. Der vorgetragene Nicht-Fußball der vor allem Erstgenannten, lag ziemlich schwer im Magen. Und wurde Gott sei Dank nicht mit dem Titel belohnt.

Denn der ging völlig verdient und sechstens an: Spanien. Ja, so schön kann Fußball sein. Während die Final-Konkurrenz wie schon gesagt Magerkost anbot, servierte La Furia Roja fast ausnahmslos Haute Cuisine. Mit sieben Siegen in sieben Spielen räumte España den Tisch mal so richtig ab: Im Viertelfinale den Gastgeber flambiert, im Halbfinale den Vizeweltmeister filetiert und im Finale dann den vermeintlichen Turnierfavoriten frittiert. Buen provecho.

So und nach dem Festmahl ist bekanntlich vor dem Leckerbissen. Und deswegen wechselt die Karte jetzt zu: Olympia! Fans und Friends des Frauenfußballs wissen: Das olympische Fußballturnier der Frauen hat bestes WM-Niveau. Denn dabei sind: die USA, Australien, Frankreich, Brasilien, Deutschland und Japan. Und deswegen wird hier nur kurz mal durchgewischt, die Tischdecke gewechselt und schon steh ich in zehn Tagen ausgeschlafen und hochmotiviert wieder neben eurem Tisch mit der Frage: Darf es ein bisschen mehr sein? Am 25. Juli geht’s jedenfalls los (Spielplan hier). Bleibt gern bei mir und: immer am Ball.