Everything, everywhere, all at once

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Was der Unterschied zwischen einem Fußballturnier und einem Fußballturnier bei Olympia ist, liegt auf der Hand bzw. brennt auf der Netzhaut: die Simultanität des Seins. Oder weniger philosophisch: die Gleichzeitigkeit der Dinge. Es gibt so viel zu sehen! In der Gruppenphase beim Fußball hieß das dann beispielsweise: Zwei parallellaufende Spiele. Wohin also mit mir? Lieber tapfere Neuseeländerinnen gegen ein euphorisch begleitetes Frankreich? Oder bissige Kolumbianerinnen gegen nach ihrem massiven Sechs-Punkte-Abzug aufgrund der Drohnen-Affäre ins Hintertreffen geratene Kanadierinnen? Der Olympia-guck-Kalender platzt jedenfalls aus allen Nähten. Läuft zu viel oder haben wir einfach nur zu wenige Augen (wahrscheinlich)? Und so sitzt man vorm Fernseher, auf dem Schwimmen läuft. Auf dem Laptop Fußball und am Handy schreibt man noch über den vormittäglichen Beachvolleyball.

Aber zurück zum Fußball. Da ist die K.O.-Phase eingeläutet. Mit voller Punktzahl ins Viertelfinale ein zogen gleich drei Nationen: die wiedererstarkten USA, ein wenig überraschend stabiles Spanien und auch das titelverteidigende Kanada, die allerdings aufgrund des Punkteabzugs auf dem Papier nur 3 Punkte haben, die zum Weiterkommen trotzdem reichten. Und ganz im Sinne des olympischen Geistes ist jedes Viertelfinale interkontinental, will heißen: USA gegen Japan. Spanien gegen Kolumbien. Kanada gegen Deutschland. Frankreich gegen Brasilien. Und Gott sei Dank, kein Spiel läuft parallel. Am Samstag von 15 bis mindestens 23 Uhr ist eigentlich klar, wo man sich aufzuhalten hat: vorm Olympia-Stream. Das zum Thema „where“. Zu „everywhere“: Das Fußballturnier der Frauen findet in sieben Städten gleichzeitig statt. Noch weiter weg sind nur die Surferinnen und Surfer, nämlich auf Tahiti. Über 15.000 Kilometer entfernt von Paris und zeitlich 12 Stunden hinterher. (Und schon jetzt vermutlich mit dem ikonischsten Foto der ganzen Spiele.)

Und so verschwimmen die Dinge. Wasserspringen, Fußball, Turnen, Basketball, Kanu, Volleyball, Tischtennis. Zwischendurch eine Siegerehrung. Morgens, mittags, abends. Wer da nicht mal die Übersicht, vor allem aber auch sein Herz verliert: selbst Schuld.