Alles hat ein Ende, nur später

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Ein Spiel dauert 90 Minuten? Kinder, das war einmal. Klar, Schluss ist erst, wenn der oder die Schiri abpfeift. Und dieses Ereignis verschiebt sich öfter immer weiter nach hinten. +16 Minuten? Das hätte es früher nicht gegeben. Heute: gang und gäbe.

Und so kann man festhalten, dass die Spitze in der Breite zusammenrückt und 90 Minuten nicht mehr ausreichen, um das siegreiche Team zu ermitteln. Kein Zufall also, dass es in allen Viertelfinalen zu Nachspielzeiten in jeglicher Ausführung kam? Vier Tathergänge.

Erstens: Was heutzutage unter „regulärer Nachspielzeit“ firmiert, waren im Spiel Frankreich gegen Brasilien satte 20 Minuten. Zur Nachspielzeit von +16 Minuten kamen nämlich noch mal +4 hinzu. Genützt hat es Frankreich indes nichts, um das aus ihrer Sicht unglückliche 0:1 herumzureißen. Und so ist das Viertelfinale Endstation für die Gastgeberinnen.

Zweitens: Im Spiel zwischen den USA und Japan überquerte der Ball genau null Mal eine Torlinie. Folglich gab es hier die im K.O.-Modus vorgesehenen 2 x 15 Minuten Nachschlag. Klar, dass das entscheidende Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit (105+2) fiel. 1:0 für die USA und dabei sollte es auch nach 120 Minuten bleiben.

Drittens: Die Außenseiterinnen aus Kolumbien gingen gegen Spanien nach gut 50 Minuten 2:0 in Führung, ehe die Favoritinnen erst zum Anschluss und dann natürlich in allerletzter Nachspielzeitminute (90+7) zum Ausgleich kamen. Die folgenden 30 Minuten blieben torlos, sodass es zum ultimativen Showdown kam. Elfmeterkrimi! Den entschied dann Spanien für sich – 4:2 hieß es am Ende.

Viertens: Exakt ebenso lange dauerte es, um die Siegerinnen aus dem Viertelfinale Deutschland gegen Kanada zu ermitteln. Dort fiel in 120 Minuten überhaupt kein Tor, ehe Deutschlands Keeperin Berger ihre ganz eigene Geschichte schrieb. Nicht nur, weil sie zwei Elfer hielt, nein, den letzten verwandelte sie auch noch selbst. Und verbannte damit jegliche Kritik nach Unpässlichkeiten vorher im Spiel und auch schon in dem davor ins Reich der Nichtigkeiten.

Und da waren’s nur noch vier. Im Halbfinale geht’s am Dienstag für die USA gegen Deutschland und Brasilien gegen Spanien wohl vor allem auch: um einen langen Atem.