
Rien ne va plus, games over, aus die Maus. Olympia 2024 ist Geschichte und was soll ich sagen. Es war eine wunderschöne. Sommer in Paris und zunächst mal die Erkenntnis: Wolkenbruch gibt’s nicht nur in Dortmund. Und Märchen nicht nur in Deutschland. Ja, Paris war der richtige, der goldrichtige Ort für diese Spiele. Da taten einem die Basketball-, Handball- und Fußballteams schon leid, waren sie doch aus Kapazitätsgründen mindestens zeitweise ausquartiert worden. Und kamen mitunter erst sehr spät (oder gar nicht) in den Genuss des echten olympischen Spirits. Für den Frauenfußball hieß das also oft: Kicken vor überschaubarer Kulisse dort, wo Olympia-Action nur in weiter Ferne war.
Am Ende des olympischen Fußballturniers triumphieren jedenfalls zum fünften Mal die USA. Nicht, weil sie den fulminantesten Fußball zeigten. Aber den entschlossensten. Auf dem Weg zu Gold reichten so drei knappe 1:0-Siege. An der Spitze wurde es zumindest bei diesem Turnier nicht breiter, sondern im Gegenteil: einsamer. Denn abgesehen von eben den USA zeigte sich niemand in der Form, die es für den Olympiasieg gebraucht hätte. Spanien? Oft konfus. Brasilien? Lange im Glück, aber am Ende eben nicht. Frankreich? Erstarrt vom Viertelfinale-Fluch. Und Deutschland? Zeigte sich stellenweise konkurrenzfähig, war allerdings im Verletzungs- und Lospech. Und traf gleich zwei Mal auf die späteren Olympiasiegerinnen, zwei Mal erfolglos. Dafür schrieb Team D mit Ann-Katrin Berger wohl die Heldinnen-Geschichte des Turniers.
Und die geht so: Eine eher ruhig wirkende, konstant gute Keeperin im Herbst ihrer Karriere fliegt hierzulande oft unter dem Radar. Denn sie spielt erst lange in England und jetzt in den USA. Und steht im Schatten der langjährig gesetzten Merle Frohms. Nach doppelter Krebsdiagnose kommt sie zwei Mal zurück. In die olympischen Spiele geht sie für manche etwas überraschend als Nummer 1. Im Viertelfinale gegen Kanada pariert sie im Elfmeterschießen zwei Mal gekonnt und verwandelte selbst souverän zum Sieg. Im Spiel um Platz 3 dann der nächste Paukenschlag. Als Team D in den Tiefen der Nachspielzeit schon mit dem Kopf bei der Medaille um den Hals ist: Ein Pfiff, ein Schock. Elfmeter für Spanien in Minute 90+9. Die Bronze-Felle schwimmen plötzlich davon, aber nicht an Berger. Den gar nicht mal schlecht geschossenen Elfmeter der zweimaligen Weltfußballerin Alexia Putellas hält sie einfach. Danach war Schluss und allen klar: Horst Hrubeschs Entscheidung für Berger war nicht nur menschlich aus goldenem Herzen getroffen, sondern auch sportlich mit goldenem Händchen.
Bleibt mir noch zu sagen: Au revoir cheriés! Was für ein glanzvoller Sport- und Fußball-Sommer. Und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Zum Beispiel ist da noch die U20-WM der Frauen in Kolumbien (31. August bis 22. September). Die Futsal-WM in Usbekistan (14. September bis 6. Oktober) und die U17-Juniorinnen-WM in der Dominikanischen Republik (16. Oktober bis 3. November). Also: Stream on, es gibt immer was zu sehen.
