
So, wertes Kollegium. In der ersten großen Pause nach knapp zwei Wochen positivster Fußballdauerbeschallung ohne Stundenausfall: Zeit für einen Klassensturz. Wer verhedderte sich permanent im Gummitwist, wer war schon beim großen Einmaleins und wer hatte eigentlich die schönste Handschrift?
Zunächst lässt sich notieren: Die großen Favoritinnen gaben sich wenig Blöße. Erwachsen und reif statt aufgeregt und prüfungsängstlich. Abgesehen von England und Deutschland stehen alle Gruppenfavoritinnen strebermäßig mit voller Punktausbeute da. Norwegen: Unspektakulär, aber verlässlich. Ein gutes Pferd springt eben so hoch, wie es muss. Und wenn ein Ausfallschritt zur Seite reicht, dann ist das ja nicht Team Norwegens Schuld. Immer alle Hefte, Hausaufgaben und vor allem die Sportsachen dabei hatten vorbildlich die Spanierinnen. Die meisten erzielten Tore, Spielwitz ohne Ende und im Verbund einfach nicht zu stoppen. Da kann dann nach der Vorrunde nur stehen: Sehr gut. Auch die Schwedinnen überzeugten ab Spieltag Nummer eins. Die Stifte gespitzt, die Mienen aufmerksam. Freundlich und lässig schlenderte man über den Schulhof und erntete allerseits anerkennende Blicke. So gut wie erwartet und gleichzeitig besser als gedacht.
Für furioses Fußball-Feuerwerk waren neben den Spanierinnen vor allem die Französinnen verantwortlich. Denn die beteiligten sich extrem lebhaft und gewinnbringend am Vorrundenunterricht, waren stets auf der Höhe, ohne Fehl und Tadel.
Einen etwas größeren Kraftakt brauchte es da naturgemäß für die Gruppenzweiten. Denn mindestens ein Negativerlebnis hatten alle (sonst wäre man ja auch Erste geworden). Aber wir alle wissen ja: Pädagogisch wertvoll sind genau diese Erfahrungen. Aus Fehlern lernen usw. Ohne süßen Viertelfinaleinzug lernt es sich da schmerzhafter. Finnland hätte diesen ebenso verdient wie auch tapfere, aber nur einmal siegreiche Belgierinnen und Polinnen. Auf nahezu ganzer Linie enttäuscht haben hingegen Island, Dänemark und die Niederlande. Letztere natürlich mit schwerem Stand in der Gruppe D der coolen Kids. Denn obwohl man am Anfang noch dicht zusammenstand, war man dann doch bei weitem weniger fresh als Frankreich und auch England. Im Übrigen machten auch zahlreiche Lehrkräfte eine gute Figur, nämlich in der Auswahl ihrer Dienstkleidung: Anzug statt Trainingsanzug. (Wer auf dem Rasen trikottechnisch die Nase vorn hat: hier.)
Ebenfalls nicht versetzungsgefährdet: das Publikumsinteresse. Im Gegenteil: Vorrunden-Zuschauerrekord in den Stadien! Und auch die TV-Quoten der Daheimgebliebenen sind stabil auf höherem Niveau.
Und da sollten sie auch bleiben, denn weiter geht’s. Sommerferien sind in Schweizer EM-Stadien nämlich noch lange nicht. Jetzt zählt’s. Fehlstunden, Blackouts, dumme Ideen: Nun doppelt bitter, weil ab jetzt gibt’s im gnadenlosen K.O.-Modus nur noch ein Spiel ohne zweite Chance. K.O. – let’s go! (Wer, wann wo: Alle Viertelfinale hier.)
