Fußballerisch Berge versetzt

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Foto: franziundschatten

Kinder, wie die Zeit vergeht. Der Berg rief gewissermaßen und eine Rekordzahl an Fans und Friends machte sich auf den Weg in die Schweizer Stadien oder es sich zumindest gemütlich zu Hause vor den TVs und Laptops. Was geboten wurde? Einiges. Ein wunderschönes Panorama über den fußballerischen Stand der Dinge in Europa zum Beispiel. Gewagte Gratwanderungen zwischen Klasse und Spitzenklasse. Frische Tore, blühende Glanzparaden und saftige Dramatik.

Auch ohne Fernglas konnten wir erkennen: Einigen bekamen die Höhenmeter beim Aufstieg gen Halbfinale eher weniger, andere witterten in der Bergluft Morgenluft. Italia! Um ein Haar ins Finale überrascht. Aber eben nur fast, denn: Ihre bereits gepackten wuchtigen Final-Rucksäcke in den Weg geworfen hatte die nicht kleinzukriegende Wandertruppe aus England. Zwei K.-O.-Spiele, zwei Verlängerungen, fast bis zum Äußersten. Gegen Schweden im Viertelfinale ging selbst das Elfmeterschießen in die Extra-Time, im Halbfinale gegen eben Italien gelang quasi in letzter Minute der Nachspielzeit das Siegtor. Aber: Top-Bergführerin Sarina Wiegman (Cheftrainerin Englands) braucht keine Wanderkarte, um den Weg ins Finale zu finden. Sie kommt einfach immer an, zum jetzt fünften Mal in Folge. Eine wahre Trainerinnen-Legende.

Vor dem Turnier war viel spekuliert worden über die Luft, die oben immer dünner werde. Die von mir so oft zitierte Spitze in der Breite werde immer stärker. Wirklich? Mit Frankreich und Schweden verabschiedeten sich aussichtsreiche Gipfelkandidatinnen bereits nach dem Viertelfinale. Deutschland schaffte es hochumkämpft bis ins Halbfinale. Die Gastgeberinnen aus der Schweiz mit ordentlich Fan-Wind im Rücken zogen das undankbare Viertelfinallos gegen Spanien. Und wussten durchaus zu überzeugen, Berge versetzen konnten sie allerdings nicht. Und doch bleibt auch: Die K.-O.-Phase war spannend wie nie. Vier von sechs Spielen gingen in die Verlängerung oder gar ins Elfmeterschießen.

Und doch: Das EM-Finale ist die Wiederauflage des WM-Finales von vor zwei Jahren. Schreit nicht gerade danach, dass man den Wald vor lauter Favoritinnen nicht sieht. Aber: Spanien stand noch nie in einem EM-Finale. „Gehe einmal im Jahr irgendwohin, wo du noch nie warst.“, empfiehlt niemand Geringeres als der Dalai Lama. Der wohl auch nie gedacht hätte, dass er mal hier zitiert wird (ich auch nicht). Also: Auf geht’s, hier lang. Der Gipfel ist nah. Finale am Sonntag.

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