One more time

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Foto: Franziundschatten

Noch einmal. Besser gesagt: Noch ein letztes Mal. We’re gonna celebrate. Und das taten in einem denkwürdigen Finale die prägenden Headliner dieses Turniers: England vs. Spanien. Proper English Chaos gegen Tiki-Taka-Masterclass español. Mehrfach Totgesagte gegen fast immerblühendes Leben. Die Hartnäckigsten gegen die Schönsten.

Denn England, das den Verlauf des Turniers selbst nur als „Chaos“ betitelte, war auf großer Comeback-Tour. Die Frage ein ums andere Mal: Wie oft weg vom Fenster kann man eigentlich sein? Nun. Die Lionesses lächeln wohl nur müde und sagen: Oft. Und drehten im entscheidenden Moment ihre Verstärker immer wieder auf. Spanien indes, ausgestattet mit allen Bühnenextras, starb letztendlich in Schönheit. Viel vorwerfen können sie sich eigentlich nicht. Außer es vielleicht nicht mal mit etwas Heavy Metal zwischen all der Schönspielerei versucht zu haben. Also einer experimentellen B-Seite.

Den Titel gewannen am Ende keinesfalls die Besseren, aber vielleicht die vom Siegen Besesseneren. Denn am Mischpult bei den Engländerinnen sitzt ja eine gewisse, können wir schon so sagen, Jahrhundertrainerin. Wo Sarina Wiegman ist, ist Endspiel und jetzt auch der Titel-Hattrick. Erfolg haben ist das eine, Erfolg bestätigen das andere. Dazu noch eine brachiale Frontsängerin wie Chloe Kelly mit ordentlich Trockeneis im Gepäck und der Konkurrenz bleibt nur Luftschnappen im Erste-Hilfe-Zelt.

Und wie es sich für eine proper Rückschau eines gelungenen Fußballfestivals gehört, jetzt das kurze, textliche After-Movie:

🪩 Hey, goal sister: 106 Tore fielen bei dieser EM – Rekord, einmal mehr. Die meisten Tore in einer Gruppe fielen hells-bells-mäßig in keiner geringeren als der Todesgruppe. Welche Bestmarken es sonst noch neben dem nun oft erwähnten Zuschauerrekord gab: hier.

🪩 That’s love got to do with it: Gewinnen mit Größe – können nicht alle. Aber Spanien. Im Moment des eigenen Triumphes dachten sie im Viertelfinale auch an die Verliererinnen. Und bildeten dort nach Abpfiff ein Spalier für die unterlegenen Schweizerinnen. Wenn schon von den Top-Favoritinnen aus dem eigenen Turnier geschossen, dann doch so und mit Applaus verabschiedet.

🪩 Last night a keeper saved my life: Über die allgemein überdurchschnittliche Torhüterinnenleistung bei dieser EM ist alles gesagt. Logisch irgendwie, dass so viele Elfmeter gehalten wurden wie nie. Und es eine vielleicht Jahrhunderparade zu bestaunen gab, nämlich die von Ann-Kathrin Berger im Viertelfinale gegen Frankreich. Wer sich fragt: Wie kann man eigentlich zurücklaufend im Rückwärtshecht mit einer Hand den Ball hoch von der Linie kratzen? So halt.

🪩 Marmor, Stein und Schienbein bricht: Wo sich andere am Boden wälzen und auf die Sanis warten, bandagiert sich Englands Lucy Bronze ungeduldig ohne Umschweife einfach mal selbst den Oberschenkel (im Viertelfinale gegen Schweden). Und gibt nach dem Turnier, in dem sie jedes Spiel bestritten hat, zu, dass sie ab Minute eins mit einem gebrochenen Schienbein gespielt habe. Was zur Hölle?

🪩 An Haaren wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit: Ihr merkt schon, ich bin im absoluten Superlativmodus. Nach Jahrhunderparade kommt also noch die Jahrhundert-Rote-Karte dazu. Ein derartiges Zopf-Foul wart jedenfalls noch nie gesehen. Platzverweis fürs Haareziehen. Auch zu bestaunen bei Deutschland gegen Frankreich.

Nun also hoch die Hände, EM-Ende. Es war mir wie immer ein innerer Volleyschuss in den Winkel. Vielen Dank für die werteste Aufmerksamkeit, lasst uns froh und munter sein und auf das nächste Highlight freuen: der WM 2027 in Brasilien. So lange schauen wir diesem Fußball der Frauen doch erwartungsvoll und begeistert beim Wachsen zu. ❤️