Was man von hier aus nicht sehen kann

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Foto: franziundschatten

Manchmal beschreibt das, was man nicht sieht, am besten das, was man sieht. Klingt kompliziert, liegt aber auf der Hand bzw. sticht ins Auge. Soll nämlich nur heißen: Uninspirierte, sterbenslangweilige Null-Nulls? Noch nirgends gesichtet. Krasse Patzer auf der im Fußball der Frauen oft und zu Recht kritisch beäugten neuralgischen Torhüterinnenposition? Von absolutem Seltenheitswert. Ja, die walisische Nummer 2 im Tor machte zuletzt zwar eine nicht ganz so glückliche Figur, aber erstens gegen Frankreich und zweitens: Sie ist grad mal 20. Ansonsten ist das tatsächlich etwas, das ziemlich ins Auge springt: Fast tadellose Torwärtinnen-Leistungen. Dazu übrigens auch eine ganz interessante CopaTS-Folge, ohne Tommi Schmitt, aber mit der ehemaligen DFB-Torhüterin Merle Frohms. Die mal ein bisschen ausführt, warum genau die Position zwischen den Pfosten so lange eine Art blinder Fleck war.

Was man auch kaum sieht: Rote Karten. Reklamieren. Rumwälzen. Was allerdings an manchen Orten schon ganz zart oder weniger dezent aus der Deckung kommt: Zeitspiel. Wohl etwas, was niemand vermisst. Wen man allerdings vermissen könnte: eine deutsche Schiedsrichterin. Das erste Mal seit 20 Jahren geht eine EM ohne deutsche Referee ins Rennen. Warum das so ist? Nun. Nicht nur Spatzen pfiffen gewissermaßen von den Dächern, dass die Leistungen der Schiedsrichterinnen in der Frauen-Bundesliga zuletzt häufiger kritisiert wurden. Vielleicht besteht ein grundsätzliches Qualitätsproblem. Die Spitze in der Breite und so weiter. Wenn die Breite wächst, in diesem Fall: das durchschnittliche fußballerische Niveau, muss es natürlich auch das Schiedsrichtertum. Woran es da allerdings mangelt – keine Ahnung. Fehlender Fokus auf den Schiedsrichterinnen-Nachwuchs? Kaum Augenmerk auf gezielte Förderung? Generell mangelnder DFB-Durchblick? Spekulation, aber irgendwie sowas.

Und dann noch kurz zu dem, was wir sehen: Das bis dato schnellste Tor (Spanien-Portugal, 1:0 nach 88 Sekunden). Wales‘ erster Torschuss bei einer EM überhaupt, der sich direkt als Volltreffer und somit erstes EM-Tor der Verbandshistorie erweist (Frankreich-Wales 4:1). Generell viele Tore. Generell viele schöne Tore. Einen Publikumsrekord eines EM-Gruppenspiels ohne Gastgeberland: gut 34.000 bei Deutschland gegen Dänemark. Gut so. Weiter so. Behalten wir selbstverständlich alles im Auge in den finalen drei Tagen der Vorrunde. #hungryeyes